Pauschale LehrerInnen-Schelte greift zu kurz
10. Februar 2008 von Anja Stahmann
Die von Professor Jürgen Baumert formulierte Kritik an den Leistungen von LehrerInnen greift nach meiner Meinung zu kurz. Nach dem so genannten PISA-Schock hat sich auch an Bremens Schulen einiges getan. (Baumert selbst führte aus, dass die eingeleiteten Reformen bis zu 10 Jahre brauchen um Erfolge zu erzielen.)
Viele Lehrerinnen und Lehrer an Bremer Schulen leisten Hervorragendes. Sie machen keinen Dienst nach Vorschrift, sondern bemühen sich um die Kinder und Jugendlichen. In den letzten Jahren gab es ein Stakkato von Reforme. Das Reformtempo war so hoch, dass die Lehrkräfte und Schulleitungen Mühe hatten, Schritt zu halten. SchulleiterInnen haben eine verantwortungsvolle Aufgabe und arbeiten oft bis spät abends. Längst arbeiten viele auch in den Ferien. Ich kenne viele SchulleiterInnen, die sich für ihre Schule aufopfern. Deshalb halte ich eine pauschale LehrerInnen-Schelte für wenig hilfreich.
Durchaus angebracht ist, über die immer noch zu hohe Bremer Sitzenbleiber- und Wiederholerquote zu sprechen. Zwar zeigen sich Besserungstendenzen durch Fördermaßnahmen wie Ostercamps, aber die Zahlen sind immer noch nicht zufriedenstellend.
Baumerts Forderung nach mehr Förderung in der Schule ist richtig. Statt schleichendes Absacken von schulischen Leistungen zu beobachten, sollten Schulen früher eingreifen und unterstützend wirken. Diese Diskussion halte ich für richtig. Es ist schade, dass bei aller Kontroverse die anderen Hinweise von Baumert untergehen. Wenn wir in Bremen die Schulen besser machen wollen, brauchen wir motivierte und gesunde PädagogInnen. Sie sind doch der Motor für die Schulentwicklung. Am kommenden Donnerstag diskutiert die Bildungsdeputation über Ergebnisse der externen Schulexperten. Die Berichte deuten darauf hin, dass die Qualität des Unterrichts dringend verbessert werden muss. Auch Lehrkräfte brauchen Förderung und Unterstützung. Wir müssen weg vom EinzelkämpferInnentum und vielmehr die Teamarbeit fördern.
Immensen Handlungsbedarf sehe ich bei der LehrerInnenausbildung und der Fortbildung der PädagogInnen. Das hatte auch Jürgen Baumert als Handlungsfeld beschrieben. Den Baumert-Vortrag halte ich bei aller Kritik für hilfreich, denn der Leiter des Max-Planck-Instituts für Bildungsforschung hat wichtige Tipps formuliert — dazu gehören beispielsweise eine deutliche intensivere und frühere Förderung schwächerer SchülerInnen und eine verbesserte Sprachförderung.