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sonnenblumen-furs-netz.jpgNachdem die CDU nun in Bremen T-Shirts überstreift mit der Aufschrift “Gymnasiumsretter” und die Hamburger Senatorin Frau Dinges-Dierig auf den Parteitag geholt hat, wird es nun munter in unserer Schuldebatte.


Ein Fachausschuss der Bildungsdeputation soll eine Bestandsaufnahme des Bremischen Schulsystems vornehmen und Vorschläge entwickeln und beraten, wie die Qualität und die Leistungsfähigkeit der einzelnen Schulen und des Schulsystems insgesamt weiter verbessert werden können. Als Ziele für die Arbeit hat die Bildungsdeputation folgende Punkte formuliert:

   * Entkoppelung von sozialer Herkunft und Bildung
   * Verbesserung der Qualität von Schule und Unterricht
   * Weiterentwicklung des Bremischen Schulsystems
   * Stadtteilbezogene Kooperation der für Kinder und Jugendliche sowie
     ihre Familien arbeitenden Einrichtungen

Anja Stahmann, bildungspolitische Sprecherin der grünen Bürgerschaftsfraktion, erklärt anlässlich der nun beginnenden Arbeit des Fachausschusses zur Schulentwicklung in Bremen:

“Alle sind sich einig, weil es nach den Pisa-Studien niemand mehr leugnen kann: Die Lernpotenziale der Kinder werden nicht ausgeschöpft, Förderangebote kommen zu spät, Talente werden nicht erkannt. Die Schulen müssen sich ändern. Zu viele Jugendliche verlassen die Schule ohne Abschluss, zu wenig machen Abitur. Und nirgends bestimmt die soziale Herkunft so deutlich über die schulischen Chancen wie hierzulande. In Bremen kommt erschwerend eine völlig zergliederte
Schullandschaft hinzu. Die grüne Bürgerschaftsfraktion hat sich deshalb eine ,Schule für alle’ zum Ziel gesetzt, die mit individueller Förderung diese Fehler beseitigen will.

Die Grundschule bildet zusammen mit dem Kindergarten das Fundament des Bildungswesens. Deshalb befürworten wir eine engere Verzahnung von Kindergarten und Grundschule. Wir wollen eine früh abgestimmte Sprachförderung zwischen Kindergarten und Grundschule und eine enge Zusammenarbeit von Erzieherinnen und Erziehern sowie Lehrerinnen und Lehrern. Wir wollen ein forschendes und spielerisches Lernen vom Kindergarten an, in dem auch die Leseförderung integriert ist.

Unser Konzept sieht das gemeinsame Lernen von der 1. bis zur 10. Klasse mit anschließender Spezialisierung - Abitur oder berufliche Bildung - vor. Dabei müssen auch die Förderzentren einbezogen werden. Die ,Schule für alle’ würde die zu frühe Sortierung nach der vierten Klasse beenden, die eine individuelle Entwicklung zu wenig berücksichtigt und die Kinder zu früh auf eine Schullaufbahn festlegt. Die Grundschule ist die einzige Gemeinschaftsschule mit allen Schülerinnen und Schülern und hat bei der IGLU-Studie (*I*nternationale *G*rundschul-*L*ese-*U*ntersuchung) erneut beachtlich gut abgeschnitten. Darauf wollen wir mit unserem Konzept aufbauen.

Mit der Brechstange wollen wir die ,Schule für alle’ aber nicht einführen. Denn man braucht Zeit, um die Schulen bei der Entwicklung eines anderen Unterrichts zu unterstützen. Wir wollen für integrative Konzepte werben und andere überzeugen.

Wenn in Bremen jährlich 500 Jugendliche die Schule ohne Abschluss verlassen, ist das ein Alarmzeichen. Ein ebenso großer Anteil hat so schlechte Abschlüsse in der Tasche, mit denen sie keinen oder nur schwer einen Ausbildungsplatz finden. Wir müssen die Qualität des Bremer Schulwesens verbessern und die Anzahl der Schulabbrecher deutlich verringern. Denn wir können es uns nicht leisten, die Begabungen so vieler Schülerinnen und Schüler brach liegen zu lassen.

Wir wollen die individuelle Förderung stärken — nicht nur bei lernschwachen, sondern auch bei begabten Kindern.

Wir wollen den Anteil der Ganztagsschulen ausbauen und bestehende weiterentwickeln. Die Ganztagsschule macht ein anderes Lernen möglich. Sie bietet mehr Zeit für Bildung und Betreuung und damit eine kindgerechte Lernkultur. Die Ganztagsschule trägt zur Integration sowie zum sozialen Zusammenhalt bei und erleichtert die Vereinbarkeit von Beruf und Familie.

Wir wollen die Qualität der gymnasialen Bildung verbessern. Dem Zwei-Säulen-Modell der CDU stehen wir sehr skeptisch gegenüber. Denn danach würden alle anderen Schulformen zur ,Restschule’ zusammengelegt. Das CDU-Modell zementiert die frühe Sortierung nach der vierten Klasse. Dahinter steckt der Gedanke, Kinder ließen sich in verschiedene Begabungsstufen einteilen. International üblich ist hingegen, von einem dynamischen Begabungsbegriff auszugehen. Das Sortieren ist der Grundfehler des deutschen Schulsystems.

Man kann bei 10-Jährigen nicht wissen, welche Fähigkeiten und Begabungen sie noch entwickeln werden und was sie daraus machen. Bei den PISA-Siegern Finnland und Schweden, die keine Extra-Gymnasien mehr haben, machen über 60% der Kinder Abitur- bei uns nur rund die Hälfte! Das Geheimnis des skandinavischen Erfolges liegt im längeren gemeinsamen Lernen und in der konsequenten frühen Förderung.

Zu viele Kinder werden zu früh in eine Schublade gesteckt, aus der sie schwer wieder herauskommen. Das Zwei-Säulen-Modell der CDU ändert daran gar nichts. Das Modell der Christdemokraten durchbricht nicht die Koppelung von sozialer Herkunft und Bildungschancen — das Portemonnaie der Eltern bestimmt dabei weiterhin über den Bildungserfolg der Kinder.

Wir appellieren an die Christdemokraten, ihren ideologischen Tunnelblick aufzugeben und genauso konstruktiv an einer zukunftsfähigen Neuausrichtung des Bremer Schulwesens im Sinne der Kinder mitzuwirken, wie wir das machen.

Individuelle Förderung muss in allen Schulen in den Vordergrund rücken. Lehrerinnen und Lehrer müssen dafür aus- und fortgebildet werden. Schulen brauchen neben Lehrkräften weitere pädagogische Fachkräfte wie Sozialpädagogen und Erzieher. Erfolgreiche Bildungsnationen gehen mit der Unterschiedlichkeit der Schüler konstruktiver um. Das gegliederte Schulsystem lädt dazu ein, Schüler abzuschieben anstatt sie zu fördern.”

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