Gedenken zum Novemberprogrom von 1938
04. November 2008 von Anja Stahmann
Bürgerschaft gedenkt des Novemberpogroms und der von den Nazis ermordeten jüdischen Mitbürgerinnen und Mitbürger
Fraktion Bündnis 90/Die Grünen richtet die Veranstaltung am Mahnmal in der Dechanatstraße am 10. November aus
An das Novemberpogrom der Nazis von 1938, das sich jetzt zum 70. Mal jährt, wollen die in der Bremischen Bürgerschaft vertretenen Fraktionen am Montag, 10. November 2008, am Mahnmal in der Dechanatstraße gedenken. Ausrichter der Veranstaltung ist in diesem Jahr die Fraktion Bündnis 90/Die Grünen. Die Gedenkfeier beginnt um 12.00 Uhr; die Ansprache hält Dr. Karin Mathes, Vizepräsidentin der Bremischen Bürgerschaft. Als Gastrednerin wird Anita Lasker-Wallfisch erwartet, eine der letzten Überlebenden des Mädchenorchesters von Auschwitz. Nachdem die Vorsitzenden der Fraktionen einen Kranz niedergelegt haben, spricht Awraham Serf von der Jüdischen Gemeinde Bremen Totenklage und Kaddisch-Gebet.
Anita Lasker-Wallfisch, 1925 geboren, wächst in Breslau auf. Sie muss miterleben, wie ihre Eltern, eine Geigerin und ein Rechtsanwalt, 1942 deportiert und später ermordet werden. Anita und ihre Schwester Renate kommen ins Waisenhaus und müssen Zwangsarbeit in einer Papierfabrik leisten. Ein Fluchtversuch von ihnen scheitert. Wegen Urkundenfälschung verurteilt man sie 1943 zu Zuchthausstrafen. Noch im selben Jahr bringen die Nazis die Laskers ins Konzentrationslager nach Auschwitz. Als Cello-Spielerin wird Anita Lasker dem Lagerorchester zugeteilt. Es muss am Tor spielen, wenn die Häftlinge morgens aus dem Todeslager in die Fabriken marschieren und abends zurückkehren. 1944 schickt man die Schwestern mit anderen Orchestermitgliedern nach Bergen-Belsen, wo sie am 15. April 1945 von der britischen Armee befreit werden. Anita Lasker wandert nach Großbritannien aus und gründet das English Chamber Orchestra mit. Sie heiratet, wird Mutter von zwei Kindern und besucht 1994 erstmals seit der Emigration wieder Deutschland. Seitdem berichtet sie als Zeitzeugin vor allem in Schulen über ihr eigenes Schicksal, das ihrer Familie und vom Leid anderer Opfer des Nationalsozialismus.